HomeDas ClublebenBerichteWir entdecken unsere Heimat - Simserhof am 20.06.2015

Wir entdecken unsere Heimat - Simserhof am 20.06.2015

Pünktlich um 13:00 Uhr fuhr unser Bus am Messegelände Pirmasens, pilotiert von unserem bewährten Fahrer Sylvain Thomas Richtung französiche Grenze ab. M. Thomas erklärte uns, dass in Schorbach ein Beinhaus aus dem 12. Jahrhundert existiert, welches ebenfalls sehr sehenswert ist. Nach relativ kurzer Fahrt erreichten wir den Simserhof und das dort befindliche Festungswerk "Ouvrage de Simserhof". Das Werk hat seinen Namen von einem früheren Bauernhof der "Ferme de Simserhof" welches zu dessen Bau abgebrochen werden musste. Wir waren für die Führung etwas zu früh und die meisten der Teilnehmer begaben sich in das Café um dort noch etwas zu essen, zu trinken oder ein stilles Örtchen aufzusuchen. Bevor ich mit der Schilderung der Tour fortfahre, hier noch einige technische und historische Daten:

Der Rohbau wurde, nach Sicherung der Finanzierung durch Verteidigungsminister Maginot, von 1930 – 1933 errichtet. Die Installation der technischen Einrichtung (Geschütze, Küche, Krankenrevier, Betten, Büros, Telefone, Datenübermittlung, Munitionslager etc.) war 1938 fertig, also eine Gesamtbauzeit von 8 Jahren. Zeitweise waren 2000 Arbeiter Tag und Nacht beschäftigt. Es gibt insgesamt 2 Eingänge und zwar einen für die Einlagerung der Munition im unteren und einen Mannschafteingang im oberen Bereich. Der obere Eingang verfügt über ein Treppenhaus mit 142 Stufen sowie einen elektrischen Aufzug, der den Offizieren vorbehalten war. Die Munition wurde über eine 60 mm Schmalspurbahn in das Innere des Werkes transportiert, die über Reyersviller und St. Louis-de-Bitche führte. Von dort aus ging es auf der Normalspur weiter zum Munitionslager Wingen. Die Lagerung der Munition erfolgte im Inneren des Werkes in einem Depot mit 7 separaten Zellen.

Die 8 Kampfblöcke auf einem Areal von ca. 30 ha sind in Abschnitte aufgeteilt. Alle Geschütze konnten innerhalb 1 Minute etwas 2,5 t Munition verschießen. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf ca. 118 Mio alte Francs.

Die deutsche Wehrmacht griff im 2. WK das Werk nicht direkt an. Am 14. Juni 1940 gab das Werk mit Block 8 mehrere Salven auf feindliche Patrouillen bei Gros-Rederching ab. Nach der Besetzung von Paris übergab die frz. Regierung alle Festungsanlagen kampflos an die deutschen Besatzer. Erst der Zwang durch die Regierung und die Drohung der Deutschen, weitere Gebiete zu besetzen, konnte die Besatzung des Simserhofes dazu bewegen, die Festung zu übergeben.

So wurde der Simserhof erst 4 Tage nach der offiziellen Einstellung der Kampfhandlungen am 30. Juni 1940 an die deutsche Wehrmacht übergeben. Die Besatzung ging, bis auf eine kleine Gruppe von Spezialisten für die Wartung, in deutsche Kriegsgefangenschaft. Da sich Soldaten der deutschen Wehrmacht im Werk einquartiert hatten, wurde dieses durch amerikanische Streitkräfte mit Artilleriefeuer und Bomben der amerikanischen Army Air Force belegt. Das schwer beschädigte Werk wurde nach dem Krieg durch die frz. Armee wieder instandgesetzt. Bis 1956 waren hier Soldaten fest stationiert und noch bis 1992 wurde es bei Manövern belegt. Seit 1965 hat die frz. Armee im damaligen Haupt-Munitionslager ein kleines Museum eingerichtet.

Die Führung begann sehr pünktlich. Vor der Einfahrt mit der Elektrobahn wurde ein Film über die Entstehung der Maginotlinie gezeigt. Nach der Einfahrt in zwei Gruppen wird, unterstützt durch audiovisuelle Medien die Situation während des Krieges aus der Sicht eines dort stationierten Soldaten beschrieben. Betty, unsere Führerin, zeigte sich als profunde Kennerin des Festungswerkes. Mit sehr viel Humor ihrerseits und endsprechendem Gelächter unsererseits, machte sie die 2 ½ Stunden zu einem sehr kurzweiligen und interessanten Erlebnis. Sie zeigte uns auch die Quartiere, die bei den Mannschaften zwischen 14 und 36 Mann belegt waren, während die Unteroffiziere sich mit 12 und die Offiziere mit 6 Kameraden ein Quartier teilen mussten. Auch so kleine Details, dass sich die Offiziere auf die Toilette setzen konnten, während die übrige Besatzung mit einem „Plumpsklo“ vorlieb nehmen musste, machten die Erläuterungen nachvollziehbar. Nach der Führung waren alle Teilnehmer froh, wieder an der doch wärmeren Erdoberfläche zurück zu sein.

Danach brachte uns unser Fahrer Sylvain wieder gut nach Waldhouse, wo wir bei der „Ämääz“ zu Abend aßen. Das Essen hätte etwas mehr Würze verdient und auch vertragen, dafür war jedoch die Stimmung bei allen Teilnehmern ausgezeichnet. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass es ein schöner, harmonischer und interessanter Tag war.

Kurt Graff